Digitales Schulmaterial

Apple ist mit dem Programm iBook Author angetreten, um den Schulbuchmarkt aufzumischen. Laien und Profis sollen damit ganz einfach interaktive Bücher erstellen können. Neben dem Hurra-Geschrei der Mac-Jünger wurde auch Kritik zu den von Apple diktierten Lizenzbedingungen digitaler Bücher laut. Apples Initiative rechne ich an, dass die immer aktueller werdenden Fragen zu elektronischen Schulbüchern nun breiter und vielleicht auch intensiver diskutiert werden.

Ich stimme mit Beat Döbeli überein, dass keine neuen Fragen aufgetaucht sind, aber die bestehenden nun aktueller geworden sind. Aus dem Posting von Beat:

  • Was bringen digitale Lehrmittel?
  • Wer finanziert digitale Lehrmittel?
  • Wer stellt digitale Lehrmittel her?
  • Welche neuen Geschäftsmodelle können sich entwickeln?
  • Welche Lizenzmodelle sind sinnvoll und nachhaltig gangbar?
  • etc.

Aus meiner Sicht ist es für die föderalistisch organisierten Lehrmittelverlage eine Herausforderung ein taugliches Geschäfstmodell zu entwickeln. Ich nehme an, dass die Arbeiten (längst) im Gange sind.

Ich wende mich an dieser Stelle lieber der nicht-kommerziellen Seite zu. Wie sollen (Hoch-)Schulen bzw. deren Lehrer/innen und Dozent/innen Unterlagen und Lernmaterialien zur Verfügung stellen?

  • als Papierkopien?
  • als digitaler Download (epub, ibooks, pdf, …)?
  • als Webcontent/-site?

Spätestens ab der Sek-II-Stufe wird der Druck der Lernenden immer grösser, die Lernunterlagen (auch) in digitaler Form zu erhalten. Für Lehrerende bedeutet dies, dass die bestehenden Papier-Unterlagen aufgearbeitet werden müssen. Das kann ein sehr zeitaufwändiger Prozess sein. Zudem verfügen längst nicht alle über das nötige technische Know-how. Viel gewichtiger scheint mir aber das fehlende, didaktische Know-how. Digitale Medien bieten gegenüber Papiermedien zahlreiche neue Möglichkeiten. Diese müssen genutzt werden, damit die ganze Digitalisierung einen Sinn macht. Hier nur zwei Beispiele:

  • Digitale Skripts müssen nicht zwingend linear von vorne nach hinten gelesen werden. Vielmehr lassen sich mit geschickt gesetzten Navigationselementen und einer einleuchtenden Struktur gezielt diejenigen Teile aufrufen, die gewünscht und gebraucht werden.
  • Aus den digitalen Unterlagen können ergänzende mulitmediale oder interaktive Inhalte aufgerufen werden. Durch einen Klick gelangt man zum erläuternden Video im Web oder zur interaktiven Übung.

Für die Zusammenstellung von digitalem Schulmaterial ist eine gehörige Portion an mediendidaktischem Know-how oder mindestens ein gewisses Verständnis für die Arbeitsweise in einer mediengeprägten Welt nötig. Schaffen die aktuellen Lehrpersonen den Schritt zum digitalen Schulmaterial? Wie können wir sie dabei unterstützen?

 

Bis Schulbücher soweit sind, wie sich das Tobias Precht und Jonas Kimmelmann in der Bachelor-Arbeit «Digitales Schulmaterial» an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd vorstellen, wird es noch eine ganze Weile dauern. Machen wir uns auf den spannenden Weg.

Interaktives Werkzeugset für die Schule:

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Ein Gedanke zu „Digitales Schulmaterial

  1. Lieber Thomas

    Danke für den interessanten Beitrag. iBookAuthor bindet die Autoren und Verlage an den iTunes Store, was für staatliche Lehrmittelverlage kein gangbarer Weg sein kann. Zudem ist das iBook-Format nur auf iPads abspielbar. Aber immerhin kommt Bewegung in die Frage nach elektronischen Lehrbüchern für die Schule.

    Wie weit die Lehrmittelverlage in ihrer Suche nach brauchbaren Geschäftsmodellen sind, kann ich nicht beurteilen. Bisher haben Printprodukte alle digitalen Medien querfinanziert, was aber nicht bedeutet, dass dies auch in Zukunft so sein muss. Nach wie vor entstehen elektronische Begleitprodukte zu gedruckten Lehrbüchern (siehe etwa die iPhone-Apps des hep-Verlages: http://www.hep-verlag.ch/course/view.php?id=10300). Ein gemeinsamer Vertriebskanal der Lehrmittelverlage (quasi ein gesamtschweizerischer Store) scheint unwahrscheinlich, es gilt eher die Devise „Jeder gegen jeden“.

    Was das angesprochene fehlende didaktische Know-how zum Einsatz von interaktiven digitalen Skripten betrifft, können wir an der PH Zürich mit dem geplanten „Weiterbildungskonzept Medienkompetenz DWA“ einen Beitrag leisten.

    Herzlich, Urs

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