MonatsarchivMärz 2008
ict-in-der-schule Thomas am 10. 03. 2008
Lehrer-Tutorials für Neue Medien und E-Learning
Die Firma the Co.de stellt auf http://www.letuo.de/ sogenannte Tutorials für Lehrer/innen im Internet bereit.
Die Idee zu LETUO entstand aus zahlreichen Workshops und vielen Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern rund um das Thema E-Learning & Schule.
Dabei stellte sich heraus, dass es oft nicht die mangelhafte oder nicht verfügbare Hard- und Software ist, an der der Einzug digitaler Medien in den Schulalltag scheitert. Vielmehr sind es ganz unterschiedliche Gründe, die Lehrerinnen und Lehrer davor zurückschrecken lassen, mehr auf den Einsatz von Computer, Internet und Co. zu setzen.
Diesen Gründen widmen wir uns in den LETUO-Tutorials. Wir benennen sie und möchten bei der Beseitigung der damit verbundenen Hürden helfen, um (mehr) Lust auf E-Learning in der Schule zu wecken.
Momentan stehen zwei dieser Tutorials (nach einer kostenlosen Registrierung) bereit.
- E-Learning für die Schule planen
«Warum soll ich in meiner Klasse E-Learning einführen, wenn wir uns doch jeden Tag im Klassenzimmer begegnen?» - Medientechnische Grundlagen
«Wozu brauche ich das Internet, wenn ich doch meine Unterrichtsthemen genauso gut mit Büchern und Arbeitsblättern behandeln kann?»
Die Themen sind wirklich gut aufgearbeitet und bieten viele wichtige Informationen und konkrete Tipps für Lehrer/innen. Das Tutorial «E-Learning für die Schule planen» setzt sich mit den Rahmenbedingungen, den möglichen Themen, mit den Zielen, Funktionen, Methoden, Materialien, Werkzeuge und mit dem Abschluss eines Projektes auseinander. Unter «Los gehts!?» setzt sich Letuo mit möglichen Bedenken von Lehrer/innen auseinander. Auch eine abschliessende Checkliste zur Planung eines Projektes wird dargestellt.
Alles in allem gefällt mir das Angebot sehr gut. Wünschenswert sind natürlich weitere Themen bzw. Tutorials.
Bei mir stellt sich einzig die Frage, ob dieses Angebot die Lehrer/innen dazu bringen kann, sich mit den behandelten Themen auseinanderzusetzen. Den vielen Text werden wohl nur sehr interessierte Personen lesen. Das lohnt sich dann aber auch.
Querbeet Thomas am 09. 03. 2008
Opfer des Medienkonsums?
Christian Pfeifer et. al haben vor kurzem für das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN) eine Studie mit dem reisserischen Titel «Die PISA-Verlierer – Opfer ihres Medienkonsums» (PDF-Download) vorgestellt.
Der Titel impliziert, dass die PISA-Studie hervorgebracht hat, dass die Kinder und Jugendlichen aufgrund ihres Medienkonsums schlechte Schulleistungen erbringen. Das kann so aber nicht behauptet werden. Die PISA-Studie hat sich in keinster Weise mit dem Medienkonsum auseinandergesetzt. Dennoch scheinen nach der Studie des KFN alleine die Medien schuld am Abschneiden der schlechtesten PISA-Schüler/innen.
Fakt ist, dass hier wohl kalter Kaffee medienwirksam aufgewärmt wird. Die Einzelaussagen der Studie sind weder neu noch brisant, aber auch nicht falsch. Die mediale Präsenz der Studie vermittelt allerdings ein anderes Bild: Schuld an schlechten Schulleistungen sind die Medien. Es wird eine Kausalität konstruiert, die gar nicht erkennbar ist.
Hier ein paar ausgewählte Aussagen aus der Studie bzw. aus zitierten früheren Studien:
- Mit der Verfügbarkeit des eigenen Mediengerätes im Kinderzimmer steigt die tägliche Konsumdauer deutlich an.
- In verschiedenen Studien wurden deutliche Belege dafür gefunden, dass mit wachsender Dauer des Medienkonsums die Schulleistungen sinken, weil die Zeit für Hausarbeiten und Lernen knapp wird.
- Je höher die formale Bildung im Elternhaus, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Kinder im eigenen Zimmer über Fernseher und Spielkonsole verfügen.
Dieses Aussagen sind bereits bekannt. Ich empfinde sie eher als Binsenwahrheiten. Und ja, Fernseher & Co haben nichts im Kinderzimmer verloren. Dass man weniger Zeit für Hausaufgaben hat, wenn man stattdessen vor dem Fernseher hockt, ist logisch. Eltern mit höherer Bildung achten wohl eher auf den Medienkonsum der Kinder. Auch das wird klar. Die Studie zeigt aber nicht auf, dass der Medienkonsum die Ursache von schlechten Schulleistungen ist.
Ich stelle mir vor, dass Eltern durch solche Studien bzw. durch die begleitenden Medienberichte eher verunsichtert werden. Dies wiederum führt vielleicht dazu, dass sie entweder versuchen den Medienkonsum ihrer Kinder möglichst vollständig zu verbieten oder (resigniert) wegsehen. Eine echte Auseinandersetzung mit dem Medienkonsum der Kinder wird dadurch erschwert.
Oder trägt die Studie eben gerade dazu bei, dass Eltern den extensiven Medienkonsum ihrer Kinder Einhalt gebieten? Bestärkt es sie, den Medienkonsum ihrer Kinder zu hinterfragen und allenfalls lenkend einzugreifen?
Ich bin mir selber nicht ganz schlüssig, was die Studie in der Öffentlichkeit bewirkt. Ich kann der Studie bzw. den Studien zwar einiges abgewinnen, aber gegen die allgemeine Angstmache vor Medienkonsum wehre ich mich.
Weitere Quellen im WWW:
